Kunststofffenster — die pragmatische Wahl für die meisten Häuser
Rund zwei Drittel aller in Deutschland verbauten Fenster sind aus Kunststoff, und das aus einem guten Grund: Kein anderes Material bietet dieses Verhältnis aus Dämmwert, Haltbarkeit und Preis. Wer nicht gerade im Denkmalschutz baut, fährt damit fast immer richtig.
Auf einen Blick
| Material | PVC-Hartprofil, mehrkammrig |
|---|---|
| Uw-Wert typisch | 0,90 – 1,10 W/(m²·K) |
| Bautiefe | 70 – 90 mm, 5 bis 7 Kammern |
| Lebensdauer | 40 Jahre und mehr |
| Pflege | feucht abwischen, Beschläge alle 2 Jahre ölen |
| Farben | weiß, RAL-Farben, Holzdekor-Folie beidseitig |
Vorteile und Grenzen im Überblick
Keine Lösung passt überall. Hier steht beides — was dafür spricht und wo die Grenzen liegen.
Dafür spricht
- Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis aller Materialien
- Kein Streichen, kein Lasieren — nur gelegentlich putzen
- Sehr gute Dämmwerte schon in der Standardausführung
- Große Farbauswahl inklusive täuschend echter Holzdekore
Das sollten Sie wissen
- Bei sehr großen Elementen sind Stahlverstärkungen nötig, das Profil wird breiter
- Dunkle Folien können sich in der Südsonne stark aufheizen
- In Denkmalbereichen oft nicht zugelassen
- Kratzer im Profil lassen sich nicht abschleifen wie bei Holz
Worauf es beim Kunststofffenster wirklich ankommt
Kunststofffenster sehen sich von außen alle ähnlich. Die Unterschiede stecken im Profilaufbau — und genau dort wird beim Billiganbieter gespart.
- Kammerzahl und BautiefeFünf Kammern bei 70 mm sind der solide Standard, sechs bis sieben Kammern bei 82 bis 90 mm der bessere Dämmwert. Der Aufpreis ist überschaubar und macht sich über die Jahre bemerkbar.
- Verstärkung im ProfilIm Rahmen sitzt ein Stahl- oder Glasfaserkern. Ohne ausreichende Verstärkung verziehen sich große Flügel mit der Zeit — deshalb prüfen wir das immer im Verhältnis zur Elementgröße.
- Verklebte ScheibeWird die Scheibe im Flügel verklebt statt nur verklotzt, überträgt sie ihre Steifigkeit auf den Rahmen. Das erlaubt schlankere Ansichten und hält die Geometrie langfristig stabil.
- DichtungsebenenZwei umlaufende Dichtungen sind Minimum, drei sind bei Schlagregen und an Windseiten deutlich besser.
Farben und Optik
Weiß ist noch immer die häufigste Wahl, aber längst nicht die einzige. Bei der Farbwahl gibt es zwei Punkte, die im Beratungsgespräch oft untergehen.
- Innen und außen unterschiedlichAußen anthrazit zur Fassade, innen weiß zum hellen Raum: Das ist bei foliertem Kunststoff ohne Aufpreis auf die Konstruktion machbar.
- HolzdekoreModerne Folien bilden Maserung und Struktur so gut ab, dass der Unterschied zu Holz aus zwei Metern Entfernung kaum auffällt — bei einem Bruchteil des Pflegeaufwands.
- Wärmeaufnahme beachtenDunkle Folien auf der Südseite können sich auf über 70 °C erwärmen. Seriöse Hersteller geben dafür freigegebene Profilserien an; wir wählen entsprechend aus.
- Griffe und DetailsGriffe in Edelstahl, Weiß oder passend zur Rahmenfarbe, auf Wunsch abschließbar — ein kleines Detail mit großer Wirkung auf den Gesamteindruck.
Gut zu wissen
Sind Kunststofffenster wirklich so langlebig wie Holzfenster?
In der Praxis ja. Ein ordentlich verarbeitetes Kunststofffenster hält 40 Jahre und mehr, ohne dass Sie etwas daran tun müssen außer putzen. Ein Holzfenster kann länger halten, aber nur, wenn es alle paar Jahre gestrichen wird. Rechnet man den Pflegeaufwand mit, liegt Kunststoff über die Lebensdauer meist vorn.
Vergilbt weißes Kunststoff mit der Zeit?
Bei aktuellen Profilen praktisch nicht mehr. Die Zeiten, in denen weiße Fenster nach zehn Jahren gelblich wurden, sind mit modernen UV-stabilisierten Rezepturen vorbei. Bei sehr günstigen Importprofilen ohne belastbare Herstellerangaben würde ich trotzdem vorsichtig sein.
Kann ich Kunststofffenster im Altbau einbauen?
Technisch ja, gestalterisch kommt es darauf an. In einem Gründerzeitbau mit feiner Fassadengliederung wirken breite Kunststoffprofile schnell klobig. Wenn kein Denkmalschutz besteht und Sie eine schlanke Profilserie mit passender Sprossenteilung wählen, kann es aber sehr gut aussehen.
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