Bodentiefe Fenster — Glas bis zum Boden, richtig gesichert

Kaum ein Bauteil verändert einen Raum so stark wie eine Verglasung, die auf dem Fußboden aufsetzt. Technisch ist es allerdings kein normales Fenster mehr: Es geht um Absturzsicherung, um Glasgewichte im dreistelligen Bereich und um einen Anschluss am Boden, an dem Regen und Schnee stehen.

Bodentiefe Fenster in einem leeren Wohnraum mit Blick in den Garten

Auf einen Blick

Technische Eckdaten im Überblick
Absturzsicherung nötig ab1,00 m Absturzhöhe (BauO NRW)
Umwehrungshöhe90 cm bis 12 m Absturzhöhe, darüber 110 cm
VerglasungVSG, absturzsichernd nach DIN 18008-4
Uw-Wert typisch0,85 – 1,10 W/(m²·K)
Glasgewicht 3-fachrund 30 kg je m² Scheibenfläche
Flügelgewicht Dreh-Kippje nach Beschlagserie 100 – 150 kg
BodenanschlussAbdichtung nach DIN 18533, Rinne bei Nullschwelle

Vorteile und Grenzen im Überblick

Keine Lösung passt überall. Hier steht beides — was dafür spricht und wo die Grenzen liegen.

Dafür spricht

  • Maximaler Lichteintrag — der Raum wirkt deutlich größer als er ist
  • Sichtbezug nach draußen auch im Sitzen, nicht nur im Stehen
  • Solare Gewinne in der Heizperiode, wenn die Ausrichtung passt
  • Feste Felder kosten je Quadratmeter weniger als öffenbare Flügel

Das sollten Sie wissen

  • Süd- und Westflächen brauchen zwingend eine außenliegende Verschattung
  • Große Elemente verlangen zusätzliche Montagekräfte oder Glassauger — das kostet
  • Absturzsichernde Verglasung und Umwehrung verteuern das Element spürbar
  • Mehr Glas heißt mehr putzen, und jeder Fingerabdruck ist sofort zu sehen

Absturzsicherung — was Vorschrift ist und was Sie wählen können

Sobald hinter der Scheibe mehr als ein Meter Höhenunterschied liegt, ist die Sicherung keine Geschmacksfrage mehr, sondern Bauordnungsrecht.

  • Die Ein-Meter-GrenzeLiegt die Absturzhöhe über einem Meter, ist eine Umwehrung erforderlich. Bis zwölf Meter Absturzhöhe werden 90 Zentimeter Höhe verlangt, darüber 110 Zentimeter. Gemessen wird ab Oberkante Fertigfußboden.
  • Geländer oder tragendes GlasEntweder steht ein Geländer beziehungsweise ein französischer Balkon davor — oder das Glas übernimmt die Sicherung selbst. Beides ist zulässig; die zweite Variante hält die Ansicht frei, kostet aber im Glasaufbau mehr.
  • Kategorien nach DIN 18008-4Absturzsichernde Verglasungen werden nach Bauart eingeteilt. Ohne vorgesetzten Holm gilt Kategorie A, mit durchgehendem Handlauf in Brüstungshöhe Kategorie C. Danach richten sich Glasaufbau, Folienstärke und Befestigung.
  • VSG statt ESGVerbundsicherheitsglas bleibt nach dem Bruch über die Zwischenfolie im Rahmen stehen. Einscheiben-Sicherheitsglas zerfällt vollständig in Krümel und gibt die Öffnung frei — an absturzgefährdeten Stellen ist es deshalb allein nicht zulässig.

Große Elemente planen: Gewicht, Anschluss, Sommer

Ab etwa zwei Quadratmetern Flügelfläche ändert sich die Statik der Aufgabe. Was im Katalog schlank aussieht, wiegt auf der Baustelle erheblich.

  • Gewicht ernst nehmenDreifachglas bringt rund 30 Kilogramm je Quadratmeter auf die Waage. Ein Flügel von 1,2 auf 2,4 Meter kommt allein an Glas auf knapp 90 Kilogramm. Beschlag, Bänder und Rahmenverstärkung müssen dafür freigegeben sein, sonst hängt der Flügel nach zwei Jahren.
  • Feste Felder kombinierenNicht jedes Feld muss sich öffnen lassen. Ein schmaler Dreh-Kipp-Flügel neben einer breiten Festverglasung ist günstiger, dichter und dauerhaft leichtgängiger als zwei große bewegliche Flügel.
  • Bodenanschluss und AbdichtungDer untere Rahmen sitzt genau dort, wo Spritzwasser aufschlägt und Schnee liegen bleibt. Ohne Gefälle, Rinne und eine Abdichtung nach DIN 18533 wird dieser Punkt zur Schwachstelle des gesamten Elements.
  • Sommerlicher WärmeschutzGroße Glasflächen nach Süden und Westen brauchen eine Antwort auf Julinachmittage: außenliegender Raffstore oder Rollladen, ersatzweise Sonnenschutzglas mit niedrigem g-Wert. Innenliegende Vorhänge verschieben das Problem nur in den Raum hinein.

Gut zu wissen

Brauche ich im Erdgeschoss eine Absturzsicherung?

Nur wenn hinter der Scheibe mehr als ein Meter Höhenunterschied liegt. Bei einem ebenerdigen Übergang auf Terrasse oder Garten entfällt die Umwehrung. Vorsicht ist geboten, wenn das Gelände abfällt oder ein Kellerabgang davor liegt — dann kann die Grenze überschritten sein. Unabhängig davon empfehlen wir bodentief immer Sicherheitsglas: Die Verletzungsgefahr beim Anlaufen ist real, gerade mit Kindern.

Kann das Glas die Absturzsicherung allein übernehmen?

Ja, das ist die gängige Lösung, wenn die Ansicht frei bleiben soll. Verwendet wird absturzsichernde Verglasung nach DIN 18008-4 mit entsprechend dickem Verbundsicherheitsglas, geprüft im Pendelschlagversuch nach DIN EN 12600. Der Glasaufbau wird dicker und teurer als bei einer Standardscheibe, dafür sparen Sie Geländer und Montage. Die Nachweise gehören zu den Unterlagen und sollten beim Angebot benannt sein.

Wie hält man so große Scheiben sauber?

Mit Einwascher und Abzieher statt Tuch und Kreisbewegung, sonst bekommen Sie Schlieren nie weg. Außen genügen meist zwei Reinigungen im Jahr, an Straßenlagen eher drei. Eine hydrophobe Beschichtung auf der Außenscheibe verlängert die Intervalle, ersetzt das Putzen aber nicht. Bei raumhohen Elementen im Obergeschoss ist ein Dienstleister mit Teleskopsystem oft die vernünftigere Lösung.

Bodentiefe Fenster in ganz Nordrhein-Westfalen

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