Wohnungseingangstüren — die Tür zum Treppenhaus kann mehr als schließen
Zwischen Treppenhaus und Wohnung steht eine Tür, an die ganz andere Anforderungen gestellt werden als an eine Haustür oder eine Zimmertür: Rauchdichtheit, Feuerwiderstand und ein Schallschutz, der Schritte im Flur draußen hält. Dämmwert und Wetterfestigkeit spielen dagegen keine Rolle.
Auf einen Blick
| Einbausituation | Treppenhaus oder allgemein zugänglicher Flur zur Wohnung |
|---|---|
| Schallschutz üblich | 32 – 37 dB als geprüftes Element mit Zarge |
| Anforderung DIN 4109 | 27 dB zum Wohnungsflur, 37 dB direkt zum Aufenthaltsraum |
| Brandschutz | T30 feuerhemmend, RS rauchdicht, häufig als T30-RS |
| Türblattstärke | ca. 45 – 70 mm, Vollspan oder Spezialeinlage |
| Sicherheit | Mehrfachverriegelung und RC2 als geprüftes Element möglich |
| Zylinder | in der Regel Teil der Hausschließanlage |
Vorteile und Grenzen im Überblick
Keine Lösung passt überall. Hier steht beides — was dafür spricht und wo die Grenzen liegen.
Dafür spricht
- Deutlich ruhiger als eine Zimmertür im selben Rahmenmaß
- Brand-, Rauch- und Schallschutz lassen sich in einem Austausch erledigen
- Sicherheitsausstattung zu einem Bruchteil der Kosten einer Haustür
- Einheitliche Ausführung im Haus vereinfacht Wartung und Nachbestellung
Das sollten Sie wissen
- Zugelassene Brandschutzelemente dürfen nicht nachträglich gebohrt oder gekürzt werden
- Die Tür gehört zum Gemeinschaftseigentum — ohne Beschluss kein Alleingang
- Geprüft ist immer die Kombination aus Blatt, Zarge, Beschlag und Dichtung
- Altbau-Sondermaße verlängern Lieferzeit und erhöhen den Preis
Warum hier keine Haustür hingehört
Beide Türen trennen privat von öffentlich, technisch haben sie aber wenig gemeinsam. Wer die teurere Haustür in die Wohnungsöffnung setzt, zahlt für Eigenschaften, die dort niemand braucht — und bekommt die entscheidenden nicht.
- Andere PrüfkriterienDie Wohnungseingangstür steht im Trockenen und zwischen zwei beheizten Bereichen. Schlagregendichtheit und U-Wert sind praktisch bedeutungslos. Geprüft wird stattdessen auf Luftschalldämmung, Rauchdurchlass und Feuerwiderstand — Werte, die eine Haustür in dieser Form gar nicht ausweist.
- Das Treppenhaus ist RettungswegIm Brandfall ist der Treppenraum der einzige Weg nach draußen, für Bewohner wie für die Feuerwehr. Deshalb muss die Tür verhindern, dass Rauch aus der Wohnung dorthin gelangt. In Gebäuden ab einer bestimmten Höhe verlangt die Landesbauordnung genau das.
- Öffnungsrichtung bleibtWohnungseingangstüren öffnen in die Wohnung hinein, damit ein aufgeschwenktes Blatt den Fluchtweg nicht verstellt. Beim Austausch im Bestand behalten wir die vorhandene Richtung bei, alles andere wäre eine Verschlechterung.
- Zylinder aus der AnlageEin Schlüssel für Haustür, Briefkasten und Wohnung: Der Zylinder gehört meist zu einer bestehenden Schließanlage. Beim Türtausch übernehmen wir den vorhandenen Zylinder, wenn Länge und Ausführung passen, oder bestellen über die Anlagennummer nach — dafür brauchen wir die Sicherungskarte der Verwaltung.
Schallschutz, Brandschutz und wer darüber entscheidet
Die technischen Anforderungen sind eindeutig geregelt. Komplizierter ist im Mehrfamilienhaus oft die Frage, wer den Auftrag überhaupt erteilen darf.
- Was DIN 4109 fordertFührt die Tür vom Treppenhaus in einen Wohnungsflur, sind 27 Dezibel gefordert. Geht sie direkt in einen Aufenthaltsraum, sind es 37 Dezibel. Gängige Wohnungseingangstüren liegen zwischen 32 und 37 Dezibel. Der Wert gilt immer für das geprüfte Gesamtelement, nicht für das Türblatt allein.
- Die absenkbare BodendichtungDer Spalt unter der Tür ist die größte Schallbrücke im ganzen Element. Eine absenkbare Dichtung schließt ihn beim Zufallen und gibt ihn beim Öffnen wieder frei. Fehlt sie oder ist sie falsch eingestellt, verliert selbst ein gutes Blatt schnell fünf bis acht Dezibel.
- T30 und RS in einem ElementT30 heißt dreißig Minuten Widerstand gegen Feuerdurchtritt, RS meint die rauchdichte Ausführung mit umlaufender Dichtung und selbstschließendem Türschließer. Beides zusammen ist im Geschosswohnungsbau der Regelfall. Geliefert wird ein zugelassenes Bauteil mit Kennzeichnungsschild im Falz.
- Gemeinschaftseigentum und BeschlussNach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gehört die Wohnungseingangstür insgesamt zum Gemeinschaftseigentum, einschließlich der Innenseite. Der Austausch ist damit Sache der Eigentümergemeinschaft. Für Hausverwaltungen erstellen wir Angebote mit Einzelpreis je Einheit, damit die Zahlen so in die Versammlung gehen können.
Gut zu wissen
Darf ich meine Wohnungstür auf eigene Faust austauschen lassen?
In der Regel nicht. Die Tür zählt zum Gemeinschaftseigentum, auch die Seite, die in Ihre Wohnung zeigt. Zuständig ist damit die Eigentümergemeinschaft, und nötig ist ein Beschluss. Sprechen Sie zuerst mit der Verwaltung: Häufig lässt sich der Austausch mehrerer Türen bündeln, was pro Einheit günstiger wird und das Erscheinungsbild im Treppenhaus einheitlich hält. Als Mieterin oder Mieter führt der Weg ohnehin über die Eigentümerseite.
Woran erkenne ich, ob meine Tür eine Brandschutztür ist?
Am Kennzeichnungsschild. Es sitzt im Falz auf der Bandseite und nennt Hersteller, Bauart sowie die Zulassungs- oder Prüfnummer, meist zusammen mit dem Kürzel T30. Weitere Hinweise sind ein obenliegender Türschließer, ein spürbar hohes Blattgewicht und eine im Falz eingelassene Dichtung, die bei Hitze aufschäumt. Fehlt das Schild, gilt die Tür formal als nicht nachgewiesen — dann hilft nur ein Blick in die Bauunterlagen des Hauses.
Bringt eine neue Wohnungstür wirklich Ruhe?
Wenn die alte Tür ein einfaches Röhrenspanblatt mit Luftspalt unten ist, ja, und zwar deutlich. Der Sprung von etwa 20 auf 37 Dezibel bedeutet, dass Gespräche im Treppenhaus kaum noch verständlich sind. Voraussetzung ist eine sauber gesetzte Zarge: Über eine schlecht hinterfüllte Fuge geht mehr Schall als durch das Türblatt.
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